
Auf der Grundlage dieser Definition entwerfen die Autoren abschließend ein Konzept für eine Pflegeberichterstattung, für die sie eine gesetzliche Grundlage fordern.
Pflegeberichterstattung im Überblick Eine Studie über Pflegedaten im In- und Ausland (Rezension)
Pflegeberichterstattung im Überblick Eine Studie über Pflegedaten im In- und Ausland (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (Hrsg.))Schlütersche, Hannover, 2003, 144 S., 16,90 € - ISBN 3-87706-885-5Rezension von: Paul-Werner Schreiner
Dass verwertbare Daten bezüglich eines gesellschaftlichen Pflegebedarfs in Deutschland nicht vorliegen, wurde in den Debatten um die Ausgestaltung des Gesundheitsversorgungssystems in Deutschland in den letzten Jahren immer wieder deutlich. Das liegt zu einem nicht geringen Teil auch daran, dass sich mit Pflegebedürftigkeit keine zentralen oder besser industriellen Wirtschaftsinterressen verbinden.
Die Autoren der vorliegenden Studie, Sabine Dörpinghaus und Professor Dr. Frank Weidner vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln, untersuchten in Deutschland sowie in zahlreichen europäischen Ländern sowie Ländern der ehemaligen Sowjetunion, was in den Ländern an Daten vorliegt und wie sie erhoben werden. Ihrer Analyse legen sie folgende Definition von Pflegeberichterstattung zu Grunde: "Die Pflegeberichterstattung (PBE) ist eine systematische, kontinuierliche und dynamische Erfassung pflegebezogener Grunddaten für Deutschland, bei der sich Themenstellungen, Prioritäten und Strukturen je nach gesellschaftlicher Dringlichkeit verändern können. Mit der PBE soll ein Gesamtbild von allen in Deutschland erhobenen Daten bezüglich des Pflegewesens (systematisiert) dargelegt werden. Dies beinhaltet neben der Zusammenstellung auch die Erstellung, Bearbeitung und Weiterentwicklung aller relevanten Daten. Ziel der PBE ist eine kontinuierlich erhobene Datensammlung im Pflegewesen, um Informationsdefizite der Gesundheitsberichterstattung für das Pflegewesen zu beheben und Zukunftsplanung zu ermöglichen. Es geht um eine unabhängige und wissenschaftlich fundierte Berichterstattung, die eine breite Nutzerschicht (Leistungserbringer, Leistungsempfänger, Politiker, Wissenschaftler etc.) anspricht, wichtige Basisinformation liefert, Informationsbedarf für Grundlagen- und angewandte Forschung abdeckt und im international anerkannten Berichtswesen mündet."
Auf der Grundlage dieser Definition entwerfen die Autoren abschließend ein Konzept für eine Pflegeberichterstattung, für die sie eine gesetzliche Grundlage fordern.
Die Studie sei allen zur Lektüre empfohlen, die sich für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen pflegerischer Arbeit interessieren und die davon ausgehen, dass es jenseits des von den Profitinteressen des etablierten industriellen Mediensystems mit den Ärzten als entscheidenden Mittlern definierten Rahmens noch einen gesellschaftlichen Pflegebedarf. Die Annahme eines solchen Pflegebedarf ist Bedingung dafür, dass über ganz andere Strukturen der Versorgung nachgedacht wird, in denen - vielleicht und hoffentlich - professionell Pflegenden eine eigenständige Rolle zugesprochen werden könnte.