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Ein ganz besonderer Saft - Urin (Rezension)

Ein ganz besonderer Saft - Urin (Thomas, Carmen)Verlag vgs, Köln, 1995, 26.Aufl. , 15,50 € - ISBN 3-8025-1268-5 Rezension von: Dr. Hubert Kolling
25. Mai 2013 durch
Ein ganz besonderer Saft - Urin (Rezension)
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Ein ganz besonderer Saft - Urin (Rezension)

Ein ganz besonderer Saft - Urin (Thomas, Carmen)Verlag vgs, Köln, 1995, 26.Aufl. , 15,50 € - ISBN 3-8025-1268-5 Rezension von: Dr. Hubert Kolling


Besonders interessant erscheinen die abgedruckten Zuhörerreaktionen wobei sich zeigt, dass sich so mancher als passionierter Urintrinker oder -tupfer entpuppte. Unzählige Menschen schwören offensichtlich, wenn auch meist anonym und heimlich, auf den ganz besonderen Saft und seine medizinische Wirkung. Ergänzt wird die Darstellung durch Beiträge des Historikers Robert A. Esser zur Verwendung von Urin in der Textilherstellung und -pflege und des Medizinhistorikers Hans Schadewaldt, der sich mit der Geschichte des Urins in der Medizin auseinandersetzt. Insbesondere der zuletzt genannte, sehr lesenswerte und auf wissenschaftlichem Niveau verfasste Beitrag, der lediglich einen Anmerkungsapparat vermissen lässt, macht deutlich, wie sich die Menschheit seit vielen Jahrtausenden zu helfen wusste, als es noch keine Pharmaindustrie, wie wir sie heute kennen, gab. Aufschlussreich und spannend zu lesen sind in diesem Zusammenhang auch die Berichte über andere Völker und die dortige Bedeutung des Urins in Vergangenheit und Gegenwart. So stellen beispielsweise mexikanische Medizinmänner den Urin ihrer Patienten in Kürbisschalen in die Sonne und beobachten, welche Insekten davon angezogen werden: setzen sich Käfer und Fliegen auf die Schale, war Eiweiß im Urin und der Mensch krank; kamen Bienen und Wespen, war Zucker darin enthalten, was auf Diabetes hinwies. Setzten sich allerdings Schmetterlinge auf die Schale, dann war der Mensch gesund.

Auch wenn man den Ausführungen misstrauisch gegenübersteht und es wahrscheinlich nicht Sache von jederfrau und jedermann ist, wie der indische Ministerpräsident Desai, jeden Morgen ein Tässchen Eigenurin zum Frühstück zu trinken, lohnt es sich dennoch, das Buch, das seit seinem Erscheinen binnen kurzer Zeit sehr hohe Auflagen erfuhr, zu lesen. Es bleibt zu hoffen, dass die Lektüre, die betroffen macht über die Fremdheit zum eigenen Körper, dabei hilft, den über Jahrtausende gewachsenen Ekel zu einer Körperflüssigkeit, mit der wir am häufigsten von allen, Tag für Tag, Kontakt haben, zu überwinden. Alles in allem ein ungewöhnliches Lesevergnügen und Ratgeber zugleich.

Ein ganz besonderer Saft - Urin (Rezension)
25. Mai 2013
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