
Die Genkontroverse Grundpositionen (Rezension)
Die Genkontroverse Grundpositionen (Graumann, Sigrid)Verlag Herder, Freiburg, 2001, 192 S., 9,90 € - ISBN 3-451-05224-5Rezension von: Paul-Werner Schreiner
In dem vorliegenden Band sind einige der zentralen Beiträge dieser Debatte, die fast alle bereits an anderer Stelle erschienen sind, zusammengestellt, so dass der preiswerte Band als Einstieg in die kritische Diskussion über die Bedingungen, Probleme und Visionen, die mit den Möglichkeiten der Gentechnik verbunden sind, gut geeignet sehr zu empfehlen ist.
In einem ersten Teil werden - eingeleitet durch die Berliner Rede des deutschen Bundespräsidenten vom Mai 2001 - grundlegende Fragen einer sog. Biopolitik erörtert. Zwei Beiträge aus diesem Teil verdienen besonders erwähnt zu werden, da sie besondere Akzente setzen. Lily E. Kay, eine Amerikanerin, beleuchtet die Grundlagen der gesamten Genkontroverse kritisch; sie stellt die Frage, inwieweit wir überhaupt über gesichertes Wissen verfügen, wobei sie zu dem Schluß kommt, dass der Genom-Diskurs auf tönernen Füßen steht. Ina Prätorius, Theologin und freiberuflich tätig, setzt sich mit einer der zentralen Prämissen der Diskussion auseinander, nämlich dass die Option der Heilung von Krankheiten fraglos wünschenswert ist und vor allem von den Betroffenen uneingeschränkt gefordert wird, ein Totschlagargument, mit dem nicht selten eine kritische Diskussion abgewürgt wird. Selbst an einer chronisch Krankheit leidend, stellt sie heraus, dass diese Prämisse nicht zwingend richtig ist.
Im zweiten Teil sind vier Artikel zusammengestellt, die sich um einen wichtigen Begriff ranken, der in der Diskussion über die Gentechnik eine ebenso große Rolle wie er letztlich wenig konkret faßbar ist - die Menschenwürde.
Im dritten Teil geht es um die Stammzellenforschung, eine Debatte, die in Deutschland vorläufig ein gewisses Ende gefunden hat, und im vierten Teil um die Präimplantationsdiagnostik, die vermutlich in den nächsten Monaten noch mehr in das öffentliche Bewußtsein gelangen wird.
Es wäre wünschenswert, wenn die Herausgeberin und der Verlag in einem ähnlich gestalteten Band Material zu dem in jedem Fall auf uns zukommenden Problem des Klonens vorlegen würden.