
Winter, Maik H.-J.
Die ersten Pflegeakademiker in DeutschlandArbeitsmarktperspektiven und Berufsverbleib in der Altenpflege (Rezension)
Die ersten Pflegeakademiker in DeutschlandArbeitsmarktperspektiven und Berufsverbleib in der Altenpflege (Winter, Maik H.-J. )Huber, Bern, 2005, 276 S., 29,95 €, ISBN 3-456-84159-0 Rezension von: Professor Dr. Hermann Brandenburg
Nach Einführung in den Problemzusammenhang, Ziel- und Fragestellung der Untersuchung skizziert Winter ausführlich den Stand der Forschung. Dabei werden die üblichen Bedarfsrechnungen vorgestellt, die jedoch nicht mit dem konkreten Verhalten potentieller Arbeitgeber zu verwechseln sind. Die Einschätzungen der Arbeitgeber werden auch dargelegt, und hier kommt bereits eine erste Ernüchterung auf. Arbeitgeber forcieren die Fort- und Weiterbildung ihrer eigenen Mitarbeiter und greifen dabei auf pflegefachspezifische Bildungsangebote zurück bzw. bieten diese selbst an. Es dominieren primär interne Rekrutierungsstrategien, was es Absolventen der Fachhochschulstudiengänge (insbesondere „Pflege“ oder „Pflegemanagement“) nicht einfach macht. Die Befunde weisen darauf hin, dass es vor allem drei Arbeitsbereiche sind, die als Aufgabenschwerpunkte identifiziert werden können: Qualitätsmanagement, pflegefachliche Expertise (Dokumentation und Planung pflegerischer Leistungen) sowie Verwaltungsaufgaben (ein breites Spektrum von EDV, Leistungserfassung, Entwicklung von betriebsinternen Kommunikationsmustern, Budgetierung etc.). Das Pflegewesen als Arbeitsmarkt und die Perspektiven der Pflegestudiengangsabsolventen werden ebenfalls von Winter beschrieben. Hier ist die Aussage interessant, dass aktuelle Pflegestatistiken auf eine Zunahme stationärer Altenpflegeeinrichtungen verweisen, die „nicht nur mit einer erhöhten Zahl von Pflegekräften einhergeht, sondern auch zu Arbeitsplatzzuwächsen in der Leitungs- und Führungsebene führt“ (S. 128).
Insgesamt wird aber erkennbar, dass auch mehr als zehn Jahre nach der Einführung der ersten Pflegestudiengänge der Bekanntheitsgrad der Abschlüsse gering ist und vor allem die Inhalte und vermittelten Kompetenzen den Anstellungsträger vielfach unbekannt sind. Winter referiert aber nicht nur den Forschungsstand, sondern hat eine eigene Studie durchgeführt. Er hat eine quantitative Inhaltsanalyse von 1451 Inseraten aus 48 Ausgaben der „Die Schwester/Der Pfleger“ und „Altenpflege“ durchgeführt. Darüber hinaus wurden Experteninterviews und eine schriftliche Befragung der Hochschulen realisiert. Insgesamt zeigt sich bei den Befunden, dass „die Altenpflege als einer der wachstumsstärksten, zukunftsträchtigsten und gesellschafspolitisch bedeutsamsten Pflegebereiche bislang vergleichsweise wenig vom Akademisierungsprozess profitiert. Und dies zu verändern, scheint es notwendig, gesetzliche Rahmenbedingungen weiter zu aktualisieren sowie altenpflegerische und gerontologische Themenstellungen stärker bei der Studiengangsgestaltung zu berücksichtigen“ (S. 264). Womit wir wieder beim Anfang unserer Ausführungen angelangt sind. Nicht verschwiegen werden soll, dass die Arbeit methodisch sauber durchgeführt wurde (das erkennt man u.a. an den Reliabilitätsberechnungen der eingesetzten Instrumente). Für methodisch Interessierte ist der Gang der Arbeit transparent und nachvollziehbar dargestellt. Eine gelungene Arbeit, deren Lektüre nicht nur den Verantwortlichen für die Pflegestudiengänge zu empfehlen ist. Auch Altenpflegerinnen und Altenpfleger – wie auch die Beschäftigen im Altenpflegesektor insgesamt – erfahren in diesem Buch vieles, was sie interessieren könnte, wenn sie sich die Frage stellen: Soll ich Pflege studieren?