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Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Rezension)

Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Riesenberger, Dieter)Donat Verlag, Bremen, 2008, 443 Seiten, Hardcover, 29,80 Euro, ISBN 978-3-938275-44-3Rezension von: Dr. Hubert Kolling
25. Mai 2013 durch
Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Rezension)
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Unter engerer pflegehistorischer Sicht verdienen die folgenden drei Beiträge besondere Beachtung:

Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Rezension)

Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Riesenberger, Dieter)Donat Verlag, Bremen, 2008, 443 Seiten, Hardcover, 29,80 Euro, ISBN 978-3-938275-44-3Rezension von: Dr. Hubert Kolling


Nun mag die Rezension eines Buches zum Thema Krieg und Frieden die geneigte Leserschaft der „PrinterNet – Die Zeitschrift für Pflegewissenschaft“ zunächst vielleicht überraschen. Bei genauerer Betrachtung wird sich aber schnell herausstellen, dass die Besprechung auch in einem solchen Medium am richtigen Platz ist, kommt der Krankenpflege doch gerade in Kriegszeiten eine ganz besondere Bedeutung zu. Zudem ist der Autor Dieter Riesenberger aufgrund seiner Publikationen einer an Fragen der Medizin- und Pflegegeschichte interessierten Öffentlichkeit bestens bekannt. Zu erwähnen sind hier insbesondere seine beiden Monographien „Für Humanität in Krieg und Frieden. Das Internationale Rote Kreuz 1863-1977“ (Göttingen 1992) und „Das Deutsche Rote Kreuz. Eine Geschichte 1864-1990“ (Paderborn 2002).

Darüber hinaus verdanken wir Dieter Riesenberger, der von 1981 bis 1998 als Professor für Zeitgeschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität-Gesamthochschule Paderborn lehrte und über Jahrzehnte hinweg sein Forschungsinteresse auf das große Thema „Frieden in der Geschichte“ richtete, bahnbrechende Arbeiten und Studien zu wichtigen Aspekten der Geschichte des Pazifismus und Militarismus. Ein Teil dieser Untersuchungen, insgesamt achtzehn Beiträge, die zuvor an verschiedenen Stellen veröffentlicht wurden, sind in dem vorliegenden Sammelband vereint. Im Mittelpunkt der Darstellung steht dabei zumeist die Geschichte „kleiner Leute“, die gegen den Strom geschwommen sind, sich die christliche Friedensbotschaft zur Herzenssache machten, sich gegen den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln in modernen Kriegen wandten oder sich als Krankenschwestern dafür einsetzten, den Opfern zu helfen und beizustehen. Zugleich erinnert der Autor an Persönlichkeiten, die sich gegen Antisemitismus und Intoleranz sowie für deutsch-französische und deutsch-polnische Aussöhnung zu einem Zeitpunkt starkgemacht haben, als dazu noch Mut, Unerschrockenheit und Zivilcourage gehörten.

Unter engerer pflegehistorischer Sicht verdienen die folgenden drei Beiträge besondere Beachtung:

  • Zur Geschichte der Schwestern vom Roten Kreuz 1864-1918 (Seite 89-106 und Seite 381-384)
  • Das Internationale Rote Kreuz – ein Friedensfaktor in der Welt (Seite 152-162) und
  • Die Tätigkeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg (1918/19-1924) (Seite 163-179 und Seite 395-398).
  • a) das Mutterhaus als Erziehungsstätte
  • b) die Krankenpflege als bürgerlicher Beruf
  • c) die „Militarisierung“ der weltlichen Krankenpflege.

Anlässlich seines hundertjährigen Bestehens erhielt das Internationale Rote Kreuz im Jahre 1963 den Friedensnobelpreis. Zuvor war bereits das Wirken Henry Dunants mit dem gleichen Preis gewürdigt worden (1907), und in den Jahren 1917 und 1944 wurde dem Internationalen Komitee für seine Hilfstätigkeit in den beiden Kriegen ebenfalls der Friedensnobelpreis zuerkannt. Im zweiten Beitrag, „Das Internationale Rote Kreuz – ein Friedensfaktor in der Welt“, beschäftigt Dieter Riesenberger sich mit der Frage, inwieweit die Vergabe gerechtfertigt war, das heißt inwieweit das Internationale Rote Kreuz in seiner langen Geschichte tatsächlich einen unverwechselbaren und spezifischen Beitrag zur „Verbrüderung der Völker“, zur Verminderung oder Beseitigung der Streitkräfte und zur Verbreitung des Friedensgedankens geleistet hat. Hierbei gelangt der Autor zu dem Ergebnis, dass das Internationale Rote Kreuz – trotz aller Fehler, Versäumnisse und Unzulänglichkeiten – „ein unentbehrlicher Faktor des Friedens in der Welt“ (Seite 162) ist.

In dem dritten Beitrag stellt Dieter Riesenberger „Die Tätigkeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg (1918/19-1924)“ vor. Hierbei würdigt er vor allem die Leistungen der Organisation im Hinblick auf die Heimführung der Kriegsgefangenen, die Auseinandersetzungen um Oberschlesien und sein Verhalten im Krisenjahr 1923. Nach Ansicht des Autors bedeutete für das nach dem Ersten Weltkrieg fast völlig isolierte Deutschland die Bereitschaft des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, in schwierigen politischen Situationen zu vermitteln und seine moralische Autorität auch für den Verlierer des Weltkrieges einzusetzen, „eine willkommene und kaum zu überschätzende Hilfe“ (Seite 179).

Insgesamt betrachtet hat Dieter Riesenberger ein spannend zu lesendes und zugleich bedeutendes Buch vorgelegt, in dem er seiner Leserschaft die Ursachen friedensgefährdender beziehungsweise friedenssichernder Politik aufzeigt. Die vermittelnden Einsichten weisen dabei einer Traditionsbildung den Weg, die sich der Aufklärung und dem Frieden verpflichtet weiß – gegen Krieg, Gewalt, Gleichgültigkeit sowie Heuchelei – und damit letztlich unserer aller Gesundheit dient.

Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Rezension)
25. Mai 2013
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