Gewalt in der Pflege: AOK will das Thema aus der Tabuzone holen
Die AOK hat gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus der Pflegebranche und den Pflegeverbänden die Aktion „Gewaltfrei Pflegen“ ins Leben gerufen
Aufklärung, Hilfsangebote und Anlaufstellen
„Im Rahmen unserer Initiative Pflege. Kräfte. Stärken. setzen wir uns dafür ein, das Thema Gewalt in der Pflege aus der Tabuzone zu holen“, erklärt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.
In den nächsten drei Monaten soll hierüber aufgeklärt, Hilfsangebote und Anlaufstellen vorgestellt, erfolgreiche Konzepte und Ansätze aus der Pflegepraxis präsentiert sowie Präventionsmöglichkeiten aufgezeigt werden.
Studien zu Gewalt in der Pflege
Gewalterfahrungen werden in der professionellen und häuslichen Pflege gemacht und sind keine Einzelfälle. Sowohl pflegebedürftige als auch pflegende Menschen sind betroffen. Dies belegen mehrere Studien. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jeder sechste ältere Mensch über 60 Jahre bereits körperliche und/oder psychische Gewalt erfahren.
In einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) gab rund die Hälfte von 250 befragten Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragten an, dass Konflikte, Aggression und Gewalt in der Pflege die stationären Einrichtungen vor ganz besondere Herausforderungen stellen. Doch weil viele Betroffene dazu neigen, das Thema zu bagatellisieren, oder über ihre Erfahrungen aus Scham oder Angst schweigen, dringt wenig nach außen.
Unterstützung durch die AOK
Die AOK unterstützt im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) Projekte und Einrichtungen, die sich systematisch dem Thema Gewalt in der Pflege stellen. Dazu bietet die AOK-Pflege-Mediathek grundlegende Informationen und Schulungen, die Pflegeeinrichtungen als Einstieg zu Förderprojekten nutzen können.
Wie sich Gewaltereignisse und daraus resultierende gesundheitliche Folgen in der professionellen Pflege vermeiden lassen, zeigen Handbücher, die der AOK-Bundesverband im Rahmen des Projekts QualiPEP ("Qualitätsorientierte Prävention und Gesundheitsförderung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Pflege") entwickelt und in der Praxis erprobt hat.
Hilfestellungen von Partnerorganisationen
Darüber hinaus bieten auch die Partnerorganisationen zahlreiche Hilfestellungen an. Dazu zählen beispielsweise das Informations- und Ratgeberportal des ZQP zu Gewalt in der Pflege, die Qualifizierungsangebote der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) sowie Beratungsstellen und Krisentelefone wie „Pflege in Not“. Zudem widmen sich verschiedene Projekte der beteiligten Pflegeverbände etwa des Arbeiterwohlfahrt e.V. oder der Lafim-Diakonie dem Thema einer gewaltfreien Pflege.
„Viele Pflegebedürftige und Pflegepersonen fühlen sich bei Gewalterfahrungen allein gelassen. Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen. Viele schämen sich, Opfer oder Täter geworden zu sein. Deshalb ist der Beratungs- und Unterstützungsbedarf groß“, sagt Reimann und ergänzt: „Mit unserer Aktion wollen wir Menschen, die negative Erfahrungen gemacht haben, ob Pflegebedürftige, ihre Angehörige oder Pflegende dazu ermutigen, das Schweigen zu brechen und sich professionelle Hilfe zu holen.“
Weitere Informationen: https://www.aok-bv.de/engagement/pflege_kraefte_staerken/index_26011.html?ecid=41610382541966039552131705048050352537
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