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Forschungswelten 2014 – 6. internationaler Kongress für Pflege- und Gesundheitsforschung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar

18. Dezember 2014 durch
Forschungswelten 2014 – 6. internationaler Kongress für Pflege- und Gesundheitsforschung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar
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Forschungswelten 2014 – 6. internationaler Kongress für Pflege- und Gesundheitsforschung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar

Kongressbericht

Die Philosophisch-Theologisch Hochschule Vallendar (PTHV) war am 04. und 05. Dezember 2014 Veranstaltungsort des sechsten Kongresses „Forschungswelten 2014“, initiiert von hps media und der PTHV als Mitveranstalterin. Der Kongress für Pflege- und Gesundheitsforschung lockte mehr als 260 Teilnehmer in die „Hochschule im Grünen“. Unter dem Motto „Herausforderungen und Chancen der Pflege(-wissenschaft)“ thematisierten Referentinnen und Referenten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich in rund 40 Vorträgen, Symposien und Workshops aktuelle Entwicklungen und Perspektiven. Zentrales Thema war das Spannungsfeld zwischen der Wissenschaft und den Anforderungen der Praxis. Das mitunter schwierige Verhältnis beider Sichtweisen mit ihren je eigenen Logiken produktiv zu bearbeiten wurde von den Veranstaltern als Zukunftsaufgabe der Pflege thematisiert und in den Mittelpunkt des Kongresses gestellt.

Die Wissenszirkulation zwischen Forschung und Praxis und die spannungsgeladene Beziehung beider Disziplinen war denn auch Thema der einführenden Vorträge. Prof. Dr. Hermann Brandenburg (PTHV) thematisierte das Verhältnis von Theorie und Praxis als Problem scheinbar unvereinbarer Wissensformen. Wissenschaft und Praxis bedürften notwendig des Impulses des jeweils anderen, könnten aber dennoch nur entlang ihrer eigenen Prämissen funktionieren. Nötig sei die Bereitschaft zu einem offenen und wertschätzenden Dialog mit dem Potential, Weiterentwicklungen in beiden Bereichen zu initiieren. Daran anschließend referierte Prof. Dr. Hanna Mayer (Universität Wien) über die Passungsprobleme praxisorientierter Forschung und forschungsorientierter Praxis. Obwohl kein neues Problem, könnten – so Mayer – hier doch neue „Dogmen“ beobachtet werden. Das Diktat der Anwendungsorientierung der Praxis und das Anwendbarkeitsdogma der Wissenschaft stünden einander gegenüber. Auch Mayer verwies auf Verbindendes und Trennendes zwischen beiden Disziplinen. Angesichts der wechselseitigen Angewiesenheit von Theorie und Praxis plädierte sie für eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung.

Das Spektrum der folgenden Kongressbeiträge war groß. Kernelemente waren dabei jeweils zwei parallel stattfindende Symposien bzw. Workshops, flankiert von Paper-Sessions. Angesiedelt waren die Beiträge in drei Themengebieten (Wissenszirkulation, Herausforderungen und Chancen der Pflegewissenschaft sowie genuin pflegewissenschaftliche bzw. methodische Fragen), die das geschilderte Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis thematisierten.

Zum Thema der Wissenszirkulation stand die Frage im Mittelpunkt, wieviel Praxis die Wissenschaft und wieviel Wissenschaft die Praxis braucht, weiterhin der Aspekt der Implementierung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Beiträge diskutierten unter anderem die Entwicklung von Leitlinien und Arbeitshilfen für Pflegepraktikerinnen und –praktiker, zum Beispiel zur Implementierung von Expertenstandards.  Eine Online-Befragung unter Studenten der Pflegewissenschaft im Rahmen der Evaluation der Modellstudiengänge in Nordrhein-Westfalen näherte sich dem Thema aus einer anderen Richtung: Wie bewerten Pflegepersonen zwischen Studium und Praxis den Wissenstransfer in und aus der Pflege, mit welchen Erwartungen werden sie als Praktiker und Theoretiker an ihren Einsatzorten konfrontiert? Erste Ergebnisse der noch laufenden Evaluation wurden zur Diskussion gestellt. Ebenfalls in diesem Themengebiet verortet werden kann ein Beitrag, der sich mit der wichtigen Frage nach dem Mehrwert einer wissenschaftlichen Ausbildung beschäftigte, mit Blick auf die Ressourcen, die dafür aufzubringen sind. Auf der Grundlage einer Recherche des internationalen Forschungsstandes konnte ein positiver Zusammenhang zwischen einer Ausbildung auf Bachelorniveau und der Patientenversorgung nachgewiesen und die Bedeutung einer akademischen Ausbildung belegt werden.

Im Rahmen des Themenschwerpunktes Wissenstransfer ist weiterhin der Workshop zu einer pflegewissenschaftlichen Politikberatung erwähnenswert, der auf großes Interesse stieß. Im ersten Teil wurden Grundzüge einer wissenschaftsfundierten Politikberatung skizziert und unter Einbeziehung des Publikums diskutiert. Insbesondere Fragen der Lobbyarbeit und damit verbunden der unterschiedlichen Logiken von Wissenschaft und Politik wurden angesprochen. Der zweite Teil widmete sich der Vorstellung der in Rheinland-Pfalz gegründeten ersten deutschen Pflegekammer. Im Mittelpunkt standen hier Fragen nach konkreten Eckpunkten der zukünftigen Kammer.

Das Themengebiet Herausforderungen und Chancen umfasste eine Fülle an Einzelbeiträgen zur Frage des Beitrags der Pflegewissenschaft zur Versorgungsqualität. So wurde der Einfluss von organisationalen Variablen auf die Messung der Ergebnisqualität in Pflegeheimen diskutiert. Konstatiert wurde hier, dass das Thema Pflegequalität nur unter Einbezug von Einflussgrößen wie Personalbemessung und Messung von Pflegebedürftigkeit sinnvoll behandeln werden kann. Weiterhin wurde die Möglichkeit der Nutzung einer differenzierten Todesursachenstatistik für die Entwicklung eines besseren Qualitätssicherungssystems ebenfalls in der Langzeitpflege beleuchtet. In einem Symposium zur Demenz wurde die Konstruktion der Krankheit Demenz kritisch beleuchtet und eine solche Perspektive als Chance für die Pflegewissenschaft diskutiert, unter anderem am Beispiel demenzfreundlicher Kommunen in Deutschland und England.

Im Themengebiet Pflegewissenschaft und Methoden wurden in einer Reihe von Paper-Sessions Ergebnisse zur Instrumentenentwicklung vorgestellt. Besprochen wurden außerdem die Passung etablierter Forschungsmethoden für die Pflegeforschung und spezifische methodologische Problemstellungen gängiger Studiendesigns. Neue Methoden wie der Content Validity Index (CVI) wurden kritisch gewürdigt, qualitative Methoden und gemischte Studiendesigns wurden vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt war die Diskussion theoretischer Implikationen. So wurde „wissenschaftliche Sprachlosigkeit“ zunächst konstatiert und dann am Beispiel der Validation diskutiert, gefolgt von einem Paper zur Begriffsanalyse, das unter anderem deren Bedeutung für Pflegepraxis und –forschung problematisierte.

Insgesamt kann der diesjährige „Forschungswelten“-Kongress als Erfolg gewertet werden, da er insbesondere auch Praktiker und Studierende adressiert und so ein Forum zur Begegnung von Wissenschaft und Praxis bietet.

Ein Abstractband kann unter forschungswelten.info heruntergeladen werden. Auf dem Youtube-Kanal der Pflegewissenschaftlichen Fakultät („Pflegewissenschaft Vallendar“, http://shortlinks.de/dsye) sind darüber hinaus Videos über den Kongress verfügbar.

Weitere Informationen zum Kongress stellt in Kürze der Youtube-Kanal der Pflegewissenschaftlichen Fakultät bereit. Wer die Philosophisch-Philosophische Hochschule in Vallendar kennen lernen und sich über die angebotenen Studiengänge informieren möchte, ist herzlich zum kostenlosen Kontaktstudientag am 30.04.2015 eingeladen. Informationen zu den Inhalten und Anmeldemodalitäten finden sich zu gegebener Zeit auf der Homepage der PTHV oder können telefonisch im Studiendekanat (0261 6402-257) eingeholt werden.

Autoren:

Matthias Brünett, Manfred Schnabel
Pflegewissenschaftliche Fakultät
Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar

Pallottistraße 3

56179 Vallendar

Telefon: 0261 6402-517

Fax: 0261 6402-120
Email: mbruenett@pthv.de

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18. Dezember 2014
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