Neue Impulse für die mobile Hauskrankenpflege – Abschluss des Forschungsprojekts OMAHA
Nach fast zwei Jahren intensiver Forschung ziehen die IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems und ihre Projektpartner eine positive Bilanz des Projekts OMAHA („Organizing und Mitbestimmung – Aktionsforschung für die mobile Hauskrankenpflege“). Ziel war es, die Arbeitsbedingungen in der mobilen Hauskrankenpflege transparent zu machen, die Mitbestimmung zu fördern und praxisnahe Instrumente zur Aktivierung von Beschäftigten zu entwickeln. Das Forschungsprojekt wurde vom Projektfonds „Arbeit 4.0“ der Arbeiterkammer Niederösterreich gefördert.
Im Rahmen einer Workshopreihe gewann das interdisziplinäre Forschungsteam umfassende Einblicke in die spezifischen Herausforderungen der mobilen Hauskrankenpflege. Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit Betriebsrät*innen und Pflegekräften erarbeitet und flossen in die Entwicklung kreativer Aktivierungsstrategien sowie eines frei zugänglichen Online-Kurses ein: imoox.at/course/Organizing_HKP.
Arbeitsrealität zwischen Flexibilität und Belastung
Die Studie macht deutlich: Die mobile Hauskrankenpflege ist durch ihren dislozierten Charakter geprägt und bringt spezifische Rahmenbedingungen mit sich. Pflege- und Betreuungspersonen arbeiten meist allein in den Wohnungen der Betreuten und sind dabei vielfältigen physischen, psychischen, sozialen und organisatorischen Belastungen ausgesetzt. Unvorhersehbare Situationen – von akuten Notfällen über schwierige Wohnbedingungen bis hin zu spontanen Spitalsentlassungen – verlangen ein hohes Maß an Flexibilität und Resilienz.
Trotz der großen Eigenverantwortung arbeiten die Pflegekräfte eng im Team zusammen, wobei der Austausch häufig telefonisch erfolgt. Der anhaltende Fachkräftemangel verstärkt die Notwendigkeit, Dienste flexibel anzupassen oder zu verlängern. Die Teilzeitquote ist hoch – teils aus betrieblichen Gründen, teils um eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen. Gleichzeitig birgt dies jedoch das Risiko von Altersarmut in diesem stark weiblich geprägten Berufsfeld.
Stärkung von Mitbestimmung und Beteiligung
Ein Kernziel von OMAHA bestand darin, Betriebsrät*innen als Co-Forschende zu schulen, sie aktiv einzubinden und die Beschäftigten in die Entwicklung neuer Strategien einzubeziehen. Dabei zeigte sich, dass persönliche Gespräche – sei es telefonisch oder vor Ort – der wichtigste Informationskanal zwischen Betriebsrat und Mitarbeitenden bleiben. Außerdem wünschen sich Pflegekräfte, dass Entscheidungsträger die Arbeitsrealität direkt durch Hospitationen vor Ort kennenlernen.
Kreative Kampagnen für mehr Sichtbarkeit
Für eine nachhaltige Aktivierung wurden neue Ansätze entwickelt: In den Design Sprints erarbeiteten Pflegekräfte zahlreiche kreative Ideen – von Schnuppertagen für Entscheidungsträger über Workshops und öffentliche Veranstaltungen bis hin zu Theaterstücken, Podcasts und Pixibüchern. Dabei sollen gezielt weitere gesellschaftliche Akteure wie Gemeinden, Arztpraxen, Bildungseinrichtungen und die Arbeiterkammer eingebunden werden, um Aufmerksamkeit zu schaffen und Unterstützung zu mobilisieren.
Fazit: Mehr Solidarität und Handlungsspielräume
Mit OMAHA ist es gelungen, praxisnahe Ansätze für gewerkschaftsnahes Engagement in der mobilen Hauskrankenpflege zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen Betriebsrät*innen und Pflegekräften dabei helfen, Forderungen klarer zu adressieren und durch solidarisches Handeln stärkeres Gewicht zu verleihen.
„Die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten war ein zentraler Erfolgsfaktor. Nur durch ihren direkten Einblick und ihre Erfahrungen konnten wir ein realistisches Bild zeichnen und gleichzeitig konkrete Handlungsmöglichkeiten entwickeln“, betont das Forschungsteam der IMC Krems.
Alle Ergebnisse sind ab sofort im kostenlosen Online-Kurs imoox.at/course/Organizing_HKP frei zugänglich.
Zur Pressemitteilung: https://www.imc.ac.at/ueber-uns/medien-presse/news/detail/neue-impulse-fuer-die-mobile-hauskrankenpflege/
Foto: Setzten gemeinsam neue Impulse für die mobile Hauskrankenpflege: (v.l.n.r.) Markus Latzke, Cornelia Amon, Anja Kepplinger, Manfred Pferzinger und Jette Lange beim erfolgreichen Abschluss des Forschungsprojekts OMAHA am IMC Krems.
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